Dieser Beitrag richtet sich an Brautpaare und gehört zur TrauWorte-Reihe. Worte, die bleiben. Für jeden Moment der Trauung.
Platons Kugelmenschen: ein Ritual für Paare, die eine Geschichte mögen. Zwei Hälften einer Kugel. Jeder von euch hält eine davon in der Hand. Am Ende setzt ihr sie gemeinsam zusammen.
Hinter dem Ritual steht einer der ältesten Liebesmythen, die wir kennen. Er stammt aus Platons „Gastmahl“ und ist rund 2.400 Jahre alt. Ich habe das Ritual 2018 bei der Trauung von Chrissi und Danny im Kölner Friedenspark begleitet. Es ist leise, braucht wenig Material und kommt ohne Bänder, Sand oder Feuer aus.
In diesem Artikel findet ihr den Mythos in wenigen Sätzen, drei Varianten für eure Trauung, den Ablauf und das, worauf ihr achten solltet.
Der Mythos von Platons Kugelmenschen
In Platons „Gastmahl“ sitzen einige Männer zusammen und reden über die Liebe. Der Komödiendichter Aristophanes erzählt dabei eine Geschichte, die bis heute bei vielen Hochzeiten auftaucht.
Die Menschen waren einst kugelrund. Sie hatten vier Arme, vier Beine und zwei Gesichter, die in entgegengesetzte Richtungen blickten. Sie waren schnell, stark und sehr von sich überzeugt. So sehr, dass sie sich mit den Göttern anlegten.
Zeus wollte sie schwächen und teilte jeden Kugelmenschen in zwei Hälften. Seitdem sucht jeder Mensch seine andere Hälfte. Wer sie findet, fühlt sich wieder ganz.
Bei Platon heißt es: „Also sucht nun immer jedes sein anderes Stück.“
Für eine Trauung steckt darin ein schöner Gedanke: Die Kugel ist erst vollständig, wenn beide Hälften zusammenkommen. Keine Hälfte ist mehr wert als die andere.
Bei Platon gibt es drei Arten von Kugelmenschen: aus Mann und Frau, aus zwei Männern und aus zwei Frauen. Der Mythos passt zu jedem Paar.
So funktioniert das Kugelmenschen-Ritual
Die Rednerin erzählt den Mythos in wenigen Sätzen. Jeder von euch hält eine Hälfte. Ihr beschriftet sie, sprecht euer Versprechen oder legt etwas hinein. Dann fügt ihr beide Hälften gemeinsam zusammen. Mehr braucht es nicht.
Meist ist das eine Holzkugel. Sie wird gebrochen und nicht gesägt. Dadurch entsteht eine Bruchkante, die nur auf das eigene Gegenstück passt. Ist die Kugel ausgehöhlt, könnt ihr etwas hineinlegen: eure Ringe, eure Eheversprechen oder Wünsche eurer Gäste.
- Wer wirkt mit?
- Ihr beide und die Rednerin, je nach Variante auch eure Gäste
- Vorbereitung
- Kugel oder Alternative besorgen, Stift testen, Zusammensetzen üben, den Mythos kurz fassen
- Dauer
- etwa drei bis fünf Minuten
- Was bleibt
- Die Kugel, auf Wunsch mit Inhalt
- Passt zu euch, wenn
- ihr ein ruhiges Ritual mit einer Geschichte sucht
Was ihr braucht: Es muss keine gekaufte Hochzeitskugel sein
Der Mythos braucht zwei Hälften, die nur zueinander passen. Wie die aussehen, entscheidet ihr.
Der Klassiker. Es gibt fertige Hochzeitskugeln, oft mit Magneten in der Bruchkante. Ihr könnt aber auch einen Drechsler oder Holzhandwerker fragen. Besonders schön ist Holz von einem Baum, der euch etwas bedeutet. Zum Beispiel aus dem Garten eurer Eltern.
Passt, wenn ihr ein Erinnerungsstück für viele Jahre wollt.
Geoden, auch Drusen genannt, gibt es meist als zwei Hälften. Außen schlichter Stein, innen Kristalle. Jede ist ein Unikat, die Bruchkanten passen nur aufeinander. In eine größere Geode passen auch eure Ringe.
Passt, wenn ihr etwas Natürliches und Ungewöhnliches sucht.
Der Mythos wirkt auch als Lesung. Ein Mensch, der euch nahesteht, liest ihn vor. Platons Text in der Übersetzung von Friedrich Schleiermacher ist frei verfügbar und darf vorgelesen werden.
Passt, wenn ihr kein zusätzliches Ritual im Ablauf wollt.
Bei Platon zerschneidet Zeus die Menschen, „wie wenn man Früchte zerschneidet“. Ein Apfel oder Granatapfel, den ihr gemeinsam teilt, greift genau dieses Bild auf. Es bleibt kein Erinnerungsstück, dafür ist es schlicht und schnell vorbereitet.
Passt zu kleinen Trauungen und Hochzeiten zu zweit.
Drei Varianten für eure Trauung
Die Kugel allein ist ein Symbol. Was ihr damit macht, entscheidet, wie der Moment wirkt.
Eure Ringe liegen in der ausgehöhlten Kugel oder in der Geode. Beim Ringtausch öffnet ihr sie gemeinsam. So verbindet sich das Ritual mit dem Ringtausch, und eure Trauung bekommt keinen zusätzlichen Programmpunkt.
Passt, wenn ihr die Trauung schlank halten wollt.
Ihr lest eure Versprechen vor, rollt die Zettel zusammen und legt sie in die Kugel. Dann wird sie verschlossen. Ihr legt selbst fest, wann ihr sie wieder öffnet. Zum Beispiel am ersten Hochzeitstag.
Die Kugel wird zu eurer Zeitkapsel.
Eure Gäste schreiben vor der Trauung Wünsche auf kleine Zettel. Die Zettel kommen in die Kugel. Ihr lest sie später in Ruhe, zu zweit.
Legt Zettel und Stifte schon beim Ankommen bereit.
Alle drei Varianten lassen sich mit dem Beschriften der Hälften verbinden. Jeder schreibt ein Wort, einen Satz oder seinen Namen auf die eigene Hälfte. Das bleibt sichtbar, auch wenn die Kugel später im Regal steht.
Das Kugelmenschen-Ritual lebt von dem, was ihr euch sagt. Der Guide führt euch vom ersten Satz bis zum Schluss: welche Form zu euch passt, wie lang euer Versprechen sein darf und wie ihr es abschließt. Mit 10 Beispielen aus echten Trauungen.
Der Ablauf in vier Schritten
Am stärksten wirkt das Ritual rund um das Eheversprechen. Dort kann die Kugel Versprechen und Ringtausch verbinden.
Drei, vier Sätze reichen. Eure Gäste sollen die Geschichte verstehen, ohne dass sie zum Vortrag wird.
Ihr beschriftet sie, sprecht euer Versprechen oder legt Ringe, Zettel oder Wünsche hinein.
Ein kurzer Satz der Rednerin, dann ein Moment Stille. Hier darf es ruhig werden.
Während der restlichen Trauung steht sie gut sichtbar vorne. Später bekommt sie ihren Platz bei euch zu Hause.
Worauf ihr achten solltet
- Mythos kurz halten. Wer die ganze Geschichte erzählt, verliert die Gäste.
- Stift vorher testen. Nicht jeder Stift schreibt auf Holz oder Stein.
- Zusammensetzen üben. Die Bruchkanten passen nur in einer Position aufeinander. Probiert es vorher ein paar Mal, damit es vorne nicht hakt. Magnete helfen.
- Wer reicht die Kugel? Bis zum Ritual braucht sie einen festen Platz und eine Person, die sie euch gibt.
- Fotograf einweihen. Der Moment des Zusammensetzens dauert nur Sekunden.
Chrissi und Danny haben im Sommer 2018 im Kölner Friedenspark geheiratet. Sie hatten sich für die ausgehöhlte Kugel entschieden und sie als Ringkissen genutzt. Während des Eheversprechens hat jeder von beiden etwas auf die eigene Hälfte geschrieben. Dazu kam ihr Versprechen, die Hälfte des anderen mit ins Grab zu nehmen.
Das Kugelmenschen-Ritual liegt fast immer mitten zwischen Traufragen, Eheversprechen und Ringtausch.
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Häufige Fragen zu Platons Kugelmenschen
Was ist der Mythos von Platons Kugelmenschen?
Die Geschichte stammt aus Platons „Gastmahl“. Die Menschen waren einst kugelrund, mit vier Armen, vier Beinen und zwei Gesichtern. Zeus teilte sie in zwei Hälften. Seitdem sucht jeder Mensch seine andere Hälfte.
Muss es eine Hochzeitskugel sein?
Nein. Fertige Holzkugeln gibt es zum Beispiel bei hochzeitskugel.com oder bei Drechslern und Holzhandwerkern. Genauso gut funktionieren eine Geode, eine Frucht, die ihr teilt, oder der Mythos als Lesung. Wenn ihr Ringe oder Zettel hineinlegen wollt, braucht ihr eine ausgehöhlte Kugel oder eine größere Geode.
Passt das Ritual auch für gleichgeschlechtliche Paare?
Ja. Platon beschreibt ausdrücklich Kugelmenschen aus zwei Frauen und aus zwei Männern. Der Mythos gehört allen Paaren.
Wann findet das Ritual in der Trauung statt?
Am besten rund um das Eheversprechen. Nutzt ihr die Kugel als Ringkissen, geht das Ritual direkt in den Ringtausch über.
Wie lange dauert das Ritual?
Etwa drei bis fünf Minuten, mit der Erzählung des Mythos. Sollen eure Gäste Wünsche schreiben, passiert das vorher beim Ankommen.
Brauchen wir dann noch ein zweites Ritual?
Meist nicht. Das Kugelmenschen-Ritual verbindet sich leicht mit Eheversprechen und Ringtausch. Ein gut vorbereitetes Ritual wirkt stärker als zwei hintereinander.
Zwei Hälften, eine Kugel.
Das Kugelmenschen-Ritual ist leise und braucht wenig Material. Es lebt von der Geschichte und von dem, was ihr euch dabei sagt.
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